Texte und Zeitungsartikel zu den Ausstellungen


10.11.99 19:04

Kurioses und Modernes im Landhaus (Sächsischer Bote)

Kategorie: Texte
Herr der Tausend Schlüssel - Armin Bock

Herr der Tausend Schlüssel

Bock, Drache und Teichert in interessanter Ausstellung

 

Mit immerhin bereits acht ausschließlich Dresdner Künstlern gewidmeten Ausstellungen seit 1992 hat das Stadtmuseum eine beachtliche Tradtitionslinie begründet. Jüngst nun wurde eine weitere eröffnet unter dem Moto "Aus Dresdner Ateliers 1999“  mit Werken von Armin Bock, Heinz Drache und Walter Teichert. Bis zum 3. Januar und aber eine lange Strecke parallel zur bevorstehenden Weihnachtsausstellung ist also Gelegenheit sich in Modernes, aber auch Urig- Originelles zu vertiefen. Denn das sei den Besuchern avisiert: Sehspaß ist garantiert.

 

Dafür sorgt schon Armin Bock (Jahrgang 1942) mit seinen zahleichen, in der Tat dem Schrott entrissenen "Installationen, bei denen man unwillkürlich an den Schweizer Bildhauer JeanTinguely erinnert wird, der mit solcherart Objekten Furore machte. Auf Befragen verneint Bock allerdings eine solche Vorbildwirkung, ganz für sich allein entwickelte er schon 1968 (bald nach dem Studium an der HfBK Dresden in der Fachrichtung Theatermalerei) solcherart skurriler Objekte. Ohnehin wären sie zu jener Zeit; und noch bis  ans Ende der DDR nicht ausstellbar, sondern als kapitalistische Unkultur verpönt gewesen.

 

Wie sich unter seinen Händen die gusseisernen  Seitenteile samt  Schwungrad einer alten Nähmaschine zu einem Elbsteamer verwandelt haben, das ist einfach Spitze; nicht minder trifft das für seinen „Beamtenleuchter“ oder die Installation unter dem Motto „Mor brauchen geenen Genich nisch“ zu. Großartig seine Hommage an einen „Herrn der 1000 Schlüssel“, die das Entree der Ausstellung ziert.

 

Höchst originell sind auch die Kalender, die sich Bock prinzipiell selbst gestaltet - ob mit Streichhölzern oder als kostbare Papierfaltarbeiten. Stilistisch lässt er sich auch in seiner Malerei nicht festlegen; da findet sich beinahe an die neue Sachlichkeit der zwanziger Jahre Erinnerndes genauso wie Stimmungsvolles oder beinahe Surrealistisches.

 

Zum Glück hat er in seinem Beruf als Theatermaler in der Semperoper ein festes berufliches Standbein, sodass er sich seinen Neigungen ganz unbeschwert hingeben kann. (Leider gibt's nur ein Faltblatt; ein kleiner Katalog anlässlich dieser seiner ersten, recht späten Ausstellung wäre gewiss schön, leider aber nicht finanzierbar). ....      

 

 

B.W.